Dr. med. vet. Friederike Unkel-Mohrmann

Kleintierpraxis Itzehoe

Läufigkeit der Hündin



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Läufigkeit der Hündin – soll man sie verhindern?

Hündinnen werden normalerweise 2 x im Jahr läufig: Mit Beginn der äußerlich sichtbaren Blutungen reifen die Eizellen heran, die dann, je nach Hündin, 7 bis 20 Tage später befruchtungsfähig sind. Dies ist die sogenannte „gefährliche“ Zeit, in der die Hündin auch besonders attraktiv für Rüden riecht!

Das ist ein Zeitraum, der für Hündinnen und ihre Besitzer oft anstrengend ist, so dass man über eine Verhinderung der Läufigkeit nachdenkt. Auch wenn eine Hündin eine – deutliche – Scheinträchtigkeit zeigt, sollte man eine Kastration in Erwägung ziehen.

Bitte glauben Sie niemandem das frei erfundene Ammenmärchen, eine Hündin müsse erst werfen, bevor man sie kastriert – das ist Unsinn!

Wie wird eine Läufigkeit verhindert?

Eine Möglichkeit ist die

regelmäßige Behandlung mit Hormonen.

Da Hündinnen keinen Monats-, sondern einen Halbjahres–Zyklus haben, werden ihre Eierstöcke nicht mit der „Pille“, sondern mit einer langzeitwirkenden Hormonspritze ruhiggestellt. Wählt man diese Behandlungsart, muss zunächst eine Läufigkeit abgewartet werden. Zwei bis drei Monate später (in der Ruhephase der Eierstöcke) erfolgt nach einem Scheidenabstrich, mit dem der Zyklusstand überprüft wird, die erste Spritze, der sich alle 4 Monate weitere Spritzen anschließen.

Vorteile dieser Behandlung:

  1. Die Hündin wird nicht operiert (kein Narkoserisiko, keine möglichen Wundheilungs-störungen, keine Nachteile einer Kastration s.u.).

  2. Die Hündin kann, wenn gewünscht, doch noch wieder läufig werden und Welpen
    bekommen.

  3. Die Kosten der Läufigkeitsverhinderung sind zwar insgesamt, über das Leben gerechnet,
    höher als bei einer Kastration, sie fallen aber nicht auf einmal an, sondern „in Raten“.

Nachteile der Hormonbehandlung:

  1. Die Hormonbehandlung bietet keinerlei Krebsvorsorge. In der Rückschau erkranken viele hormonbehandelten Patientinnen an Tumoren des Gesäuges.

  2. Die Hündin behält ihre Gebärmutter, kann also Zeit ihres Lebens scheinträchtig oder, wenn die Zeitabstände bei der Spritze nicht genau eingehalten werden, läufig und damit auch trächtig werden.
    Zudem kann sie an einer Pyometra (Gebärmuttervereiterung) lebensgefährlich erkranken.

  3. Eine Hündin wird nach Hormonbehandlung häufig träger und zu fett, wenn sie dieselbe
    Futterration erhält wie vor der Behandlung. Man muss ihr deshalb oft ein kalorien-
    reduziertes Futter geben.

Die zweite Möglichkeit der Läufigkeitsverhinderung ist die

Entfernung der Eierstöcke und der Gebärmutter, also die Kastration.

Eine Sterilisation, nämlich die Unterbindung der Eileiter mit Belassen der Eierstöcke im Körper, wird bei der Hündin NICHT durchgeführt, weil sie dann ja immer noch läufig würde.

Bisher wurde eine Kastration am besten vor der ersten Läufigkeit empfohlen, um dem Auftreten von Mammatumoren besser vorzubeugen. Doch die Wissenschaft entwickelt sich weiter und gewinnt neue Erkenntnisse, die auch in der Beratung hier Einzug finden:

Als erstes die möglichen Nachteile einer Kastration:

  1. Durch den Wegfall von in den Eierstöcken gebildeten Hormonen kann es zu einem lang andauernden Körperwachstum und damit zu einem erhöhten Risiko von Osteoporose und Arthropathien (Gelenkerkrankungen) wie Hüftgelenksdysplasie (HD) und Kreuzbandrissen kommen.

  2. Nach neueren Studien steigt anscheinend das Risiko des Auftretens anderer Tumoren als Mammatumoren (Lymphome, Lymphosarkome, Hämangiosarkome und Mastzelltumoren) in Verbindung mit Kastrationen an.

  3. Adipositas (Verfettung) durch die Stoffwechselumstellung erfordert unter Umständen ein aufwendiges Fütterungsmanagement mit Spezialfuttermitteln.

  4. Entzündungen im Scheidenbereich (perivulväre Dermatitis, atrophische Vaginitis)

  5. Haarlosigkeit / Welpenfellbildung je nach Rasse

  6. Verhaltensänderungen (meist eine längere Erhaltung des Spieltriebs)

  7. Harninkontinenz (das können wir in der Praxis nicht eindeutig bestätigen)

  8. Narkose- und Operationsrisiko (Narkosezwischenfälle, Blutungen, Wundheilungsstörungen)

Vorteile einer Kastration sind:

  1. Verhinderung weiterer Scheinträchtigkeiten, bei denen der hormonelle Einfluss unter anderem das Risiko von Mammatumoren erhöht.

  2. Vermeidung von Gebärmuttererkrankungen – besonders Vereiterungen – , die meistens als Notfall operiert werden müssen.

  3. Kein Stress mit der Läufigkeit, also einer während der Läufigkeit manchmal doch etwas im Verhalten veränderten Hündin, der Blutung und den manchmal vor der Türe Schlange stehenden Rüden.

 

Wir besprechen gerne mit Ihnen Ihre individuelle Situation
und werden sicher gemeinsam
den richtigen Weg für Sie und Ihren Hündin finden!

 

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