Dr. med. vet. Friederike Unkel-Mohrmann

Kleintierpraxis Itzehoe

Meerschweinchen



Meerschweinchen

Haltung:

  • niemals Einzelhaltung !

  • immer Paar- oder mehrfache Haltung, auf keinen Fall mit einem einzelnen Kaninchen zusammen

  • Lebenserwartung ca. 5-8 Jahre

  • dämmerungsaktiv

Unterbringung:

  • Gitterkäfig mit Plastikwanne

  • Größe für 1-2 Tiere: L 80-100 cm x B 60cm x H mindestens 40 cm

Standort:

  • erhöht

  • kein Durchzug

  • hell, Tageslicht

  • nicht im Kinderzimmer, da die Tiere nachts Lärm machen

  • Temperatur 18°-22° c, Luftfeuchtigkeit 40-70 %

  • Wohnungsfreilauf, nur unter Aufsicht

  • Gartenauslauf im Sommer möglich (nur mit schattigem, regensicherem Unterschlupf, Abdeckung des Auslaufs von oben !!)

Einrichtung:

  • Einstreu: Heu, Stroh, sowie Säge- oder Hobelspäne aus unbehandeltem Holz, besser ist geschreddertes Altpapier

  • Trinkflasche

  • Futterraufe für Heu

  • Futternapf (möglichst standfest, z.B. aus glasiertem Ton oder Steingut)

  • Flachdach-Schlupfkasten (ca. L 15 cm x B 25 cm x H 15 cm pro Tier)

Futter:

  • gutes Heu, Hafer, Getreide, Sonnenblumenkerne

  • Gemüse: Karotten, Kartoffeln, Gurken, Tomaten

  • Obst: Äpfel

  • Grünfutter (natürlich sauber und ungespritzt): Löwenzahn, Schafgarbe, Vogelmiere, Luzerne, Bärenklau, Rot- und Weißklee, Breit- und Spitzwegerich

  • maximal ein Teelöffel Kraft- bzw. Fertigfutter pro Tag pro Tier

  • Kopfsalate, Petersilie, Grünkohl, Schnittsalat, Enpiensalat, Chicoree, Chinakohl, Feldsalat

  • gut getrocknetes Weißbrot, Zwieback oder Knäckebrot

  • Wichtig: Vitamin C muss über das Futter aufgenommen werden, deshalb ist oft eine zusätzliche Gabe von Ascorbinsäure notwendig

  • niemals Joghurt- oder andere Drops, Gefahr der Blasensteinbildung !

  • Konstanz in der Futterzusammenstellung – häufiges Wechseln verstärkt Verdauungsstörungen !!!

 

Kauf und Eingewöhnung eines Meerschweinchens

Wer sich zum Kauf eines – oder besser – mehrerer Meerschweinchen entschieden hat, wird viel Freude und Spaß mit den aufgeweckten Nagern haben. Gerade für Kinder ab 8 Jahren sind sie als Heimtier geeignet, da sie tag- und dämmerungsaktiv sind, im Gegensatz zum nachtaktiven Hamster. Man erhält sie beim Zoofachhändler oder Züchter; manchmal werden sie auch per Anzeige in der Zeitung oder beim Tierarzt angeboten. Und nicht zu vergessen, auch das Tierheim sucht mitunter ein neues Zuhause für Meerschweinchen.

Wenn möglich, sollte man sich Jungtiere – nicht älter als drei Monate – anschaffen. Besser, man nimmt von vorneherein gleich zwei Tiere, denn Meerschweinchen fühlen sich in Gesellschaft sehr viel wohler und der Pflegeaufwand ist nur unwesentlich größer. Zwei Weibchen vertragen sich meist gut miteinander, aber auch Männchen oder Pärchen lassen sich problemlos zusammen halten, wenn man das Männchen kastrieren lässt.

Beim Kauf sollte man auf Folgendes achten:

  • Das Fell sollte am ganzen Körper sauber und trocken sein und keine Kahlstellen aufweisen. Nehmen Sie das Tier hoch und schauen Sie sich auch die Afterregion genau an! (Haut ohne Schuppen, Haarlinge sieht man laufen, keine kotverschmierten Hautstellen um den After und Fußballen)

  • Die Augen sollten klar glänzen und nicht verklebt sein

  • Die Ohren sollten sauber und nicht entzündet sein

  • Das Schnäuzchen sollte glatt und rosarot aussehen

  • Die Nase sollte sauber und trocken sein

Meerschweinchen sind gesund, wenn sie sich von den anderen Tieren ihrer Umgebung nicht absondern. Sie versprechen statt dessen muntere Spielkameraden zu werden, wenn sie sich lebhaft mit ihren Artgenossen beschäftigen. Zu Hause sind sie jedoch zunächst noch scheu und zurückhaltend. Am besten lässt man sie erst einmal in Ruhe. Nach wenigen Tagen haben sich Meerschweinchen meist eingewöhnt und man kann versuchen, sie mit einem Leckerbissen anzulocken. Sobald die Angst überwunden ist, darf man sie behutsam anfassen, streicheln und sanft auf sie einreden. Bei manchen Meerschweinchen dauert das Eingewöhnen etwas länger. Aber mit Geduld und Liebe werden sie in der Regel alle handzahm.

Abschließend noch einige Tipps zur korrekten Fütterung:

Bitte gehen Sie sparsam mit den im Handel angebotenen Fertigfuttern – meist in Pellenform – um. Pro Tag und Tier reicht 1 Teelöffel voll, das entspricht einer Menge von 10 g pro Kilogramm Körpermasse des Meerschweinchens. Bei unkontrollierter Aufnahme neigen die Tiere zu starkem Fettansatz. Das verkürzt nicht nur die Lebenserwartung, sondern lässt die Fußballen schnell wund werden und vermindert die Bereitschaft, Rohfaser zu kauen, was wiederum die Zähne zu lang werden lässt.

Zusätzlich brauchen Meerschweinchen täglich genügend gutes Heu und frisches Trinkwasser zur freien Aufnahme.

Da es sich um Pflanzenfresser handelt, die sich in ihrem Ursprungsland in den Hochlagen Südamerikas sehr rohfaserreich und nährstoffarm ernähren, sollten Sie täglich frisches Saftfutter anbieten. Im Sonner suchen Sie frisches, nicht gedüngtes Gras, Löwenzahn, Bärenklau, Wegerich, Wiesenklee und Obst. Im Winter nehmen Sie Karotten, Gurken, Tomaten, Rote Beete, Petersilie, Chicoree, Enpie, Eisbergsalat; Kohlblätter nur in ganz geringen Mengen wegen der Blähungsgefahr. Um zusätzlich noch Nagematerial zur Zahnabnutzung zur Verfügung zu stellen, kann man Aststücke von Apfel- oder Birnbaum, Haselnuss, Weide oder Buche in den Käfig geben. Bitte keine Ziergehölze, da diese meist giftig sind !

Alle Futterreste täglich entfernen!

In den Wintermonaten muss dem Trinkwasser ständig etwas Vitamin C in Form von Vitamintropfen oder Pulver zugesetzt werden. So bleiben Meerschweinchen gesund und munter!

 

Meerschweinchenmerkblatt

Die Domestikation unserer Hausmeerschweinchen begann vor 3000 Jahren im Andengebiet. Es gehört zu den Nagetieren. Hier zu der Unterordnung Hystricomorpha (Stachelschwein-artige), Unter-Unterordnung Caviomorpha = Meerschweinartige. Die Caviomorpha sind die ältesten Nagetiere Südamerikas und besetzen dort nahezu alle Lebensräume.

Ernährung:

Viele unserer Heimtiere werden in Deutschland durch falsche Ernährung oder Haltung zu Tode gepflegt. "Der leise Tod der Kuscheltiere" wird von uns Menschen oft nicht bemerkt. Nur wenige erreichen ihr natürliches Lebensalter! Einer der Hauptgründe für den frühen Tod unserer Hausmeerschweinchen ist falsche Ernährung. In bester Absicht werden sie überfüttert und gehen wegen Überfettung ihrer Organe qualvoll zugrunde.

Unsere Meerschweinchen nehmen ihre Nahrung mit den Schneidezähnen und den Lippen auf. Die Vorderpfoten sind nicht zum Greifen und Festhalten der Nahrung geeignet, sondern Grabwerkzeuge. Lange Stängel werden mit den Schneidezähnen abgebissen und mit der Zunge in die Mundhöhle befördert. Kleine Nahrungsstücke werden mit den Lippen erfasst, in die Mundhöhle befördert und abgeschluckt. Die Schneidezähne benagen größere Futterobjekte (Äpfel, Birnen, Aprikosen, Pfirsiche, Äste, Kohlrabi, gekochte Kartoffeln, trockenes Brot etc.) und werden von den Backenzähnen zerkleinert. Die Backenzähne wachsen monatlich einige Millimeter nach und nutzen sich beim Zerkleinern und Zermahlen der Nahrung ab. Der Kauapparat und der Magen-Darm-Trakt unseres reinen Pflanzenfressers Meerschweinchen ist auf ständiges, rohfaserreiches Nahrungsangebot ausgerichtet. Es ist kein Körnerfresser!

Milchdrops oder andere, nicht artgemäße Nahrungsmittel sollten aus dem Speiseplan verbannt werden. Unsere Meerschweinchen müssen in kleinen Portionen über den gesamten Tag verteilt Futter aufnehmen, denn das Futter wird nicht durch die sehr dünne Muskelschicht in Magen und Darm weiterbewegt, sondern durch Aufnahme und Schieben des Futters.

Die Wasseraufnahme erfolgt überwiegend indirekt über die Pflanzen mit hohem Wassergehalt und Tau- und Regentropfen, die an Pflanzen hängen. An Wasserstellen selten in kauend-schöpfender Art. Unsere Meerschweinchen haben gelernt, sich der Nippeltränke zu bedienen.

Meerschweinchen vertragen keine blähenden Kohlsorten in großen Mengen. Kein Weißkohl, Rotkohl, Rosenkohl und nur vorsichtig Kohlrabi. Immer nur von allem kleine Mengen, keine rohen Kartoffeln und keine grünen Bohnen!

Wie der Mensch können unsere Meerschweinchen kein Vitamin C selbst herstellen und müssen es mit der Nahrung aufnehmen. Vitamin C befindet sich in frischem Grünfutter wie Paprika, Sauerampfer, Löwenzahn, Petersilie, Spinat, Rote Beete, Gartenkresse, Fenchel und Vollkornbrot. Zur Not kann Vitamin C auch über das Trinkwasser verabreicht werden. Erwachsene Meerschweinchen benötigen 10 bis 30 mg Vitamin C pro Tag.

Meerschweinchen gewöhnen sich an ein bestimmtes Futter. Ihre Darmbakterien stellen sich darauf ein. Wird plötzlich das Futter umgestellt, kommt die Verdauung durcheinander.

Trockene, perlenförmige Kotpellets werden ständig im Laufe des Tages abgesetzt. Das Meerschweinchen hat noch eine zweite Kotart, den weichen Blinddarmkot. Er wird von den Tieren unmittelbar vom Anus oral aufgenommen und einer zweiten Magen-Darm-Passage zugeführt. Meerschweinchen müssen diesen Kot fressen, denn sie nehmen die restlichen Nährstoffe, Verdauungsenzyme und Darmbakterien erneut auf. Alte Meerschweinchen oder Tiere mit Wirbelsäulenerkrankungen (Ursache sind zu kleine Käfige) können diesen lebensnotwendigen Stuhl nicht mehr aufnehmen. Er hängt an ihrem After. Diese Tiere würden an Verdauungsstörungen sterben. Sie können ihnen helfen, indem Sie den Kot täglich vom After abnehmen und zum Fressen in den Käfig legen.

Soziale Strukturen:

Mehrere Männchen leben friedlich – bei genügend großen Gehegen – miteinander – ohne Hierarchie. Um Weibchen und Gebiete wird in nur kurzen Kämpfen – Kommentkämpfen ohne ernsthafte Verletzungen – gekämpft. Im Käfig ist es oft anders.

Das Hausmeerschweinchen muss die Anpassungsfähigkeit an die Umwelt lernen, sie ist ihnen nicht angeboren. Sie brauchen viel Zeit dafür! Schnelle Veränderungen haben schlimme Folgen. Sie sind sehr stressanfällig gegenüber Veränderungen aller Art, wie Futteränderungen, Veränderung der Käfigeinrichtung, neue Käfige, Platzveränderungen des Käfigs oder Verlust des zweiten Meerschweinchens. Immer nur langsam an Neues gewöhnen! Nahrungs- und Wasserverweigerung sind Warnhinweise auf Erkrankung oder soziale Überforderung.

Ein zweites Meerschwein als Bindungspartner ist für sie Stressminderung !!

Die Haltung:

Das Sozialverhalten, Wohlergehen und der Friede ist in reinen Männchengruppen und reinen Weibchengruppen genau so gut, wie in gemischtgeschlechtlichen Gruppen. Die Einzelhaltung ist abzulehnen!! Bei zwei Tieren ist jede Kombination möglich.

Niemals ausgewachsene, gleich alte und gleich starke Meerschweinchen, die sich nicht kennen, ohne Aufsicht zusammensetzen, egal ob es zwei Männchen oder zwei Weibchen sind. Ausgewachsene Tiere beanspruchen das ganze, ihnen bekannte Territorium. Kommt ein weiteres Tier hinzu, wird darum gekämpft. Man sollte die Tiere langsam aneinander gewöhnen, indem der Käfig durch Draht getrennt wird und man beide mehrmals täglich außerhalb des Käfigs unter Aufsicht laufen lässt.

Anforderungen an die Käfigbeschaffenheit:

  • mindestens 0,4 qm pro Tier

  • saugfähige Einstreu (wegen Stauballergien und Milbenbefall besser Papierschredder oder Sand als Sägespäne)

  • Unterschlupfmöglichkeiten

  • Knabber- und "Spiel"materialien

  • Ganzjährige Freilandhaltung ist sehr gut. Das Gehege muss ein- und ausbruchsicher sein und ein trockenes, windgeschütztes Rückzugsgebiet haben

Der Käfig muss spätestens jeden 3. Tag gereinigt werden, sonst können vermehrt Krankheiten, wie Kokzidiose auftreten.

Die gemeinsame Haltung von Meerschweinchen und Kaninchen als Einzeltiere in einem Käfig ist abzulehnen, da beide verschiedene Tierarten mangelhafte oder keine Kommunikationsmöglichkeit, unterschiedliche Mimik und Körpersprache, unterschiedliche Verhaltensweisen, unterschiedliche Laute mit verschiedenen Bedeutungen und unterschiedliche Ruhe- und Fressgewohnheiten haben. Diese Haltung bedeutet für beide Arten Stress.

 

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